Klausuren in Zeiten von Corona

Präsenzprüfungen:

Es ist möglich, eine Klausur mit entsprechenden Maßnahmen vor Ort durchzuführen. Die Räumlichkeiten der EDU werden/wurden bereits vorbereitet und Konzepte entwickelt [1]. Aufgrund dieser Auflagen sind die Teilnehmerzahlen jedoch stark eingeschränkt. Beispielsweise finden im Seminarraum 129 der Marsstraße nur rund 25 Studierende Platz. Solltet ihr eine Präsenzprüfung haben, werdet ihr vorab eine Handreichung erhalten. Diese umfasst alle von euch einzuhaltenden hygienischen Maßnahmen sowie entsprechende Informationen zum Ablauf, Warteorte, Toilettengänge usw.

Die Fachschaft Lehrertum sieht bei der Durchführung unter entsprechenden Hygienemaßnahmen keine Bedenken. Trotzdem möchten wir euch dazu anhalten zu reflektieren, ob ihr selbst oder nahe Angehörige zur Risikogruppe gehören. Ihr entscheidet selbst, ob ihr das Infektionsrisiko als tragbar empfindet. Auch appellieren wir an euch, die Vorgaben der Universität einzuhalten, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten.

[1] https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/coronavirus/pruefungen/

Onlineprüfungen über TUMexam / Moodle

Fakultäten wie beispielsweise die Informatik werden viele Klausuren über TUMexam schreiben. Hierbei bekommt ihr die Klausur als PDF zur Verfügung gestellt. Innerhalb einer gewissen Zeit müssen die Aufgaben bearbeitet und wieder hochgeladen werden. Die Bearbeitung selbst kann offline und ohne „Überwachung“ stattfinden. TUMexam-Klausuren sind somit Open-Book-Klausuren [2]. Die Dozierenden passen hierfür die Fragen entsprechend an.

Die Fachschaft Lehrertum hat bei diesem Prüfungsformat keine Bedenken, solang die Fragen trotz des Formates angemessen sind und sich der Lernaufwand zur Prüfungsvorbereitung nicht stark erhöht.

[2] Als Kofferklausur oder Open-Book-Klausur werden in Studentenkreisen Klausuren bezeichnet, zu denen praktisch alle schriftlichen Hilfsmittel zugelassen sind, insbesondere das Vorlesungsskript oder beliebige Bücher. Daher deutet der Begriff an, dass die Studenten mit einem ganzen Koffer voll Material erscheinen. Nicht zulässig sind in der Regel Kommunikationsmittel wie Handy oder Laptops. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kofferklausur

Onlineprüfungen über ein Meetingtool

Bei diesem Prüfungsmodus wird ein Onlinemeeting – so wie es auch bei vielen Vorlesungen der Fall ist – gestartet. Der Dozent kann die Studierenden via Ton und Bildübertragung „überwachen“. Es kann ggf. gefordert werden, dass vor der Klausur der Schreibtisch und die nähere Umgebung gezeigt wird. Damit kann ausgeschlossen werden, dass der Studierende nicht zugelassene Hilfsmittel vorbereitet hat. Ob ein digitaler Hintergrund möglich gemacht werden kann, ist noch unklar. Die Klausur wird über ein Onlineprotal wie bspw. Moodle oder TUMexam bereitgestellt. Die Bearbeitung wird von einem Dozenten oder Mitarbeiter betreut, der bei Verdacht auf Unterschleif mit den jeweiligen Studierenden in Kontakt treten kann. Es kann sein, dass bei dieser Methode mehr als nur ein internetfähiges Endgerät mit Kamera zur Verfügung stehen muss. Dies ist abhängig vom jeweiligen Prüfer. Die Ausweisung erfolgt über den Studierendenausweis, wie bei einer regulären Präsenzklausur. Wie bei jeder Online-Klausur ist die technische Ausstattung sowie eine stabile Internetverbindung Voraussetzung.

Diese Methode sieht die Fachschaft Lehrertum als wenig kritisch an, wenn keine Aufzeichnung von Bild und Ton stattfindet und das gewählte Meeting-Tool aus Datenschutzrechtlicher Sicht in Ordnung ist. Wir unterstützen die Verwendung von BigBlueButton und meet.lrz.de (Jitsi), da diese von der TUM selbst gehostet werden. Zoom ist keine gute Alternative. Ein weiterer Nachteil dieser Methode ist aus unserer Sicht der Eingriff in die Privatsphäre, da die privaten Räumlichkeiten gefilmt werden.

Onlineprüfungen über Proctorio

Proctorio ist eine Plattform bei welcher die Studierenden während der Klausur durch einen Algorithmus „überwacht“ werden. Hierbei muss der Personalausweis zur Identitätsbestätigung hochgeladen werden. Während der Klausur erfolgt die Überwachung via Ton und Bild sowie die Kontrolle aller Aktivitäten des Bildschirms. Der Algorithmus reagiert hierbei, wenn der Blick vom Bildschirm abwendet wird, der Prüfling aufsteht oder es zu laut wird. Jede dieser Situationen wird durch ein „Foto“ festgehalten. Je nach Einstellung der Sensitivität – welche im Anschluss an die Klausur durch den jeweiligen Dozierenden eingestellt wird – sagt der Algorithmus nun, ob ihr Unterschleif begangen habt oder nicht. Um das System nutzen zu können muss jeder Studierende die Software herunterladen. Die Nutzung ist lediglich über den Browser „Chrome“ möglich. Es muss folgenden Bedingungen zugestimmt werden:

  • Alle Ihre Daten auf von Ihnen besuchten Websites lesen und ändern
    • Benachrichtigungen einblenden
    • Daten ändern, die Sie kopieren und einfügen
    • Inhalte Ihres Bildschirms erfassen
    • Downloads verwalten
    • Speichergeräte ermitteln und auswerfen
    • Apps, Erweiterungen und Designs verwalten
    • Datenschutzeinstellungen ändern
    • Zugriff auf Websits ist automatisch auf alle Websites eingestellt

Hierbei ist kein Widerspruch oder Ausschluss einzelner Optionen möglich. Die Klausurauswertungen (inkl. Personalausweis und aller Bilder) werden auf den Servern des Herstellers „verschlüsselt“ gespeichert. Über Proctorio können lediglich Freitext und Multiple Choice-Fragen gestellt werden. Das System kann pro Klausur 500 Studierende zulassen.

Die Fachschaft Lehrertum ist klar gegen dieses Tool. Zum einen ist es datenschutzrechtlich aus unserer Sicht nicht tragbar. Zum anderen ist nicht einsehbar, welche Daten genau gespeichert werden. Die Sensitivitätseinstellungen können nachträglich von den Dozierenden bearbeitet werden. Daraus schließen wir, dass das gesamte Ton- und Bildmaterial gespeichert wird. Zudem ist es fraglich, ob die Dozierenden bei einer Klausur, in der Unterschleif festgestellt wurde, tatsächlich händisch nachkontrolliert. Für diese Situation gibt es unseres Wissens nach noch keine klaren Regularien. Zudem sind Toilettengänge oder das Arbeiten mit zwei Bildschirmen fast unmöglich. Auch kann nicht jeder Studierende für eine ruhige Umgebung oder eine stabile Internetverbindung sorgen.

Änderung des Prüfungsformats

Ein Dozent kann auch das Prüfungsformat ändern. Diese Möglichkeit hat er – für dieses Semester als Ausnahme – bis zwei Wochen vor dem Prüfungstermin. Hierbei kann beispielsweise die Abgabe eines Lernportfolios, einer oder mehrerer Übungsaufgaben oder eines Essays gefordert werden. Es besteht auch die Option eine Klausur in eine Präsentation oder eine mündliche Klausur umzuwandeln. Wenn für diese Art der Prüfung ein Online-Tool verwendet wird, ist auch hier der Datenschutz wieder wichtig. Dabei sollte sich der Aufwand für euch als Studierenden nicht zu stark erhöht.

Die Fachschaft Lehrertum sieht die Änderung des Prüfungsmodus im Allgemeinen nicht als kritisch an. Jedoch ist auch hier zu beachten, dass der Mehraufwand möglichst gering bzw. nicht vorhanden sein sollte. Zudem sollte das Prüfungsformat so früh wie möglich bekannt gegeben werden.

Wichtige Infos zum Schluss:

Da die Frist für die Studienfortschrittkontrolle für das SoSe 2020 um ein Semester verlängert wurde, könnt ihr euch weigern, an einem Prüfungsformat teilzunehmen. Das gilt sowohl für Präsenzprüfungen als auch für Onlineprüfungsformate.

Die Fachschaft Lehrertum ist sehr bemüht, dass die Abmeldezeiträume für die Klausuren bis kurz vor dem Prüfungstermin offen sind. So könnt ihr euch ohne großen Aufwand noch abmelden. Uns ist bewusst, dass es für viele von euch – trotz ausgesetzter Studienfortschrittskontrolle – zu negativen Konsequenzen kommen kann, wenn ihr nicht an einer Klausur teilnehmen könnt oder wollt. Wir unterstützen euch dabei gerne. Schreibt einfach eine Mail an info@lehertum.de.

Auch ProLehre hat eine Zusammenfassung der Prüfungsmodi und damit verbundene Vor- und Nachteile aufgelistet. Diese findet ihr in folgendem PDF: https://www.prolehre.tum.de/fileadmin/w00btq/www/Aktuelles/pruefungsoptionen-sommersemester2020-v1.20.pdf

Besonderheit Unterrichtsfach Englisch.

Im Unterrichtsfach Englisch werden auch die Prüfungen des „Ausnahme-Corona-Semester“ zu den Maximalversuchen gezählt.